Rückblick auf die Fortbildungsreihe „Schulräume für die Zukunft – Gestaltungsperspektiven für die ganztägige Bildung”

Eine bedeutende Herausforderung bei der Qualitätsentwicklung von Ganztagsschulen und dem vielerorts wachsenden Bedarf an Ganztagsschulplätzen ist es, pädagogisch wirksame und funktionale Räume umzusetzen. Schularchitektur und Klassenräume müssen neu gedacht werden. 

Ganztagsschule ist nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch Lebensort von Kindern und Jugendlichen. Räume im Ganztag zum Rückzug und zur Erholung einerseits und für Spiel, Bewegung und Kommunikation andererseits, nehmen eine wichtige Funktion zum Wohlfühlen ein.  

Gleichzeitig erfordern neue Lehr- und Lernformen, komplexe Lernarrangements für individualisiertes und differenziertes Lernen, Inklusive Schule aber auch die Digitalisierungsoffensive veränderte vielfältige Raumkonzepte. 

Ob Neubau, Umbau oder Sanierung – jede Veränderung bietet die Chance der bestmöglichen Nutzung, indem

  • frühzeitig alle Beteiligten an Schule mit einbezogen,
  • neue Raum- und Ausstattungskonzepte sowie Ideen berücksichtigt und
  • bestehende Vorbehalte oder Ängste in einem professionell geführten Prozess abgebaut werden.  

Die Serviceagentur „Ganztägig lernen“ im Jahr 2019 eine vierteilige Veranstaltungsreihe „Schulräume für die Zukunft – Gestaltungsperspektiven für die ganztägige Bildung” und führte sie an unterschiedlichen Orten in Schleswig-Holstein durch. 

Mit Blick auf die Schnittstellen zwischen Pädagogik und Architektur zeigte die Fortbildungsreihe Wege und Möglichkeiten sowie Tipps und Tricks auf.

Lesen Sie hier einen zusammenfassenden Rückblick.

 

  1. Ganztägige Bildung im 21. Jahrhundert - wie Räume unser Lernen und unser Miteinander unterstützen

Referierende: Rosan Bosch und Adrian Krawczyk

Die dänische Architektin Rosan Bosch ist Gründerin und Kreativdirektorin des Rosan Bosch Studio und international bekannt für ihre inspirierenden Perspektiven auf Lernräume. Sie entwickelt innovative Konzepte für besondere Lernumgebungen. Ihre Entwürfe sind geprägt von multifunktionalen Lernbereichen, einer farbenfrohen Ausstattung, Gemeinschaftsräumen und Rückzugsmöglichkeiten.

In ihrem Vortrag beschrieb sie die von ihr entwickelten sechs Prinzipien für Lernsituationen, die sich an den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler orientieren und bei der Gestaltung von Lernumgebungen bedacht werden sollten. Eine Kurzbeschreibung dieser Schlüssel-Prinzipien finden Sie über diesen Link.

Auf der Website www.rosanbosch.com finden Sie gute Beispiele, unter anderem das von ihr vorgestellte Pilotprojekt an zwei Hamburger Ganztagsschulen. Hingewiesen sei noch auf ihr Buch „Gestaltung für eine bessere Welt – Starts in der Schule“. Darin präsentiert Rosan Bosch ihre Vision eines Paradigmenwechsels der physischen Rahmenbedingungen von Schulen.

Der Hamburger Architekt Adrian Krawczyk (Serviceagentur „Ganztägig lernen“ Hamburg) führte anschließend aus, wie Schulsanierung die Schulentwicklung anstoßen kann und wie Raum und pädagogisches Konzept zusammenspielen. 

Präsentation: „Bauimpuls und Reprogramming – Umbau & Neubau von ganztägig genutzten Schulgebäuden, Aktuelle Projekte und Prozesse aus Hamburg“, Adrian Krawczyk

 

  1. „Phase Null“ für Ganztagsschulen und Konzept zur Doppelnutzung von Räumen

Referierende: Oliver Behnecke und Katrin Petersen

Für die Planung der Umstrukturierung zum Ganztag und für die Erarbeitung eines Raumnutzungs-konzeptes initiierte die Bremer Bildungsbehörde die „Phase Null“. Diese wurde von Oliver Behnecke, Kulturplaner und Moderator der Phase Null in Bremen, vorgestellt.

Ziel dieser Planungsphase ist es, allen Akteurinnen und Akteuren an der Schule Gehör zu verschaffen. Gemeinsam an einem Tisch planen und diskutieren die Nutzerinnen und Nutzer (wie pädagogisches Personal, Schulleitung, Kooperationspartnerinnen und -partner) mit den Planerinnen und Planern des Bauprojekts und der Bildungsbehörde. Alle Beteiligten erhalten so die Möglichkeit, ihre Anforderungen, Wünsche und Ziele zu äußern. Eine optimale Abstimmung mit pädagogisch-inhaltlichen, architektonischen, städtebaulichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ist somit gewährleistet. Zudem können die individuellen Bedarfe der jeweiligen Schule berücksichtigt werden.

Präsentation: „Phase null – Der Anfang ist die Hälfte vom Ganzen“, Oliver Behnecke

Weitere Impulsgeberin an diesem Veranstaltungstag war Katrin Petersen, Lehrerin und Fortbildnerin im Bereich Raumgestaltung. Sie stellte ihr Konzept zur Doppelnutzung von Räumen vor. 

Vielen Schulen mangelt es an ausreichend Raum. Aus diesem Grund werden Räume oft doppelt genutzt. Sowohl der Vormittags- als auch der Nachmittagsbereich müssen auf die gleichen Räume zurückgreifen. Um Unzufriedenheit zu vermeiden und eine gleichberechtigte Raumnutzung zu gewährleisten, müssen sich alle Beteiligten zunächst über die jeweiligen Anforderungen der Nutzung auseinandersetzen, ohne das die Funktionalität und die Atmosphäre des Raumes eingeschränkt wird. In einem zweiten Schritt werden Möblierung und Aufstellung der Möbel im Raum diskutiert.  

Voraussetzung für diesen Prozess sind

  • die Diskussion über das jeweilige Bildungsverständnis,
  • gemeinsame Regeln, wie der Raum zu nutzen ist, sowie
  • gute Kommunikation zwischen den Raumverantwortlichen.

 

  1. Schulräume partizipativ gestalten / Raumgestaltung mit Blick auf den Brandschutz

Referierende: Katharina Sütterlin und Andreas Flock

Im dritten Teil der Fortbildungsreihe wurden zwei unterschiedliche Ansätze vorgestellt, mit deren Hilfe eine Ausdifferenzierung von Lern- und Arbeitsräumen hin zu einer individuellen und inklusiven Kultur mit vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten erreicht werden kann. 

Die Referentin Katharina Sütterlin, Architektin, Tischlerin und eine der Leiterinnen der „Bauereignis Sütterlin Wagner GbR“ in Berlin, entwickelt vielfältige, multifunktionale und individuelle Räume mit handlungsorientierten Nutzungskonzepten, Grundrisslösungen und Ausstattungen. Mit Hilfe von partizipativen Methoden gestalten Schülerinnen und Schüler sowie das pädagogische Personal ihre Lernumgebung unter fachlicher Anleitung selbst.

Den Ausführungen von Frau Sütterlin folgend, erzeugt diese Vorgehensweise nicht nur Akzeptanz und Identifikation mit dem Resultat, sondern steigert auch die Qualität des Entwurfs bezüglich der Passgenauigkeit für den zu erfüllenden Zweck. Neben der Planung der Raumgestaltung werden auch Möbel hergestellt. 

Präsentationen: „Bauereignis Projektbeispiele“ und „Flurprojekt in der Temple-Grandin-Schule, Berlin“, Katharina Sütterlin

Am Beispiel einiger gemeinsamer Projekte mit „Bauereignis“ in Berlin zeigte Andreas Flock, wie Flure (Rettungswege) als Lernräume genutzt und wie Schulgebäude durch gezielte Möblierung der notwendigen Rettungswege erweitert werden können, ohne das Sicherheitsniveaus aufzugeben.

Andreas Flock ist Dipl.-Ing. Architekt und Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz.

Präsentation: „Nutzung von Schulfluren“, Andreas Flock

  

  1. Beispiele aus der Praxis: Neubau und Doppelnutzung von Räumen – von der Idee zum Konzept zur Umsetzung

Referierende: Silke Cleve und Janina Widuwilt

Silke Cleve, Schulleiterin der Heinrich-Heine-Schule (Gemeinschaftsschule mit gymnasialer Oberstufe) in Büdelsdorf präsentierte ihren Schulneubau. Sie begleitete von Beginn an die Entwicklung und den Bau der Schule und vermittelte wichtige Erfahrungen rund um die rechtlichen Rahmenbedingungen, die Notwendigkeiten und Belastungen während der Bauphase. 

Präsentationen der Heinrich-Heine-Schule: „Ein Blick in die Gegenwart und die Zukunft“ und „Von der Vision zum Neubau

Ohne Neubau fand die Johannes-Schwennesen-Schule in Tornesch eine räumliche Lösung für die Raumknappheit im Nachmittagsbereich. Gemeinsam mit der Lehrerschaft erörterte das pädagogische Team der Schule die Bedürfnisse an die Räume. Dabei wurden das Raumkonzept der Schule grundlegend verändert und ein vielfältig nutz- und wandelbarer Ort geschaffen. Die Schulleiterin Janina Widuwilt stellte den Weg dorthin vor und gewährte Einblicke in die neu gestalteten Klassenräume der Johannes-Schwennesen-Schule.

Präsentation der Johannes-Schwennesen-Schule: „Doppelnutzung der Räume – Erstellung eines neuen Raumkonzeptes“