Rückblick: Impulskongress und Digitalstratgie 2020, 21.09.2018

Der Impulskongress bot zahlreiche Fachvorträge und Workshops zum Thema "Digitale Bildung". Bekommen Sie einen Eindruck, indem Sie den nachfolgenden Bericht über zwei interessante Vorträge/Diskussionsrunden im Rahmen des Kongresses lesen ...

Der Fachtag “Impulskongress und Digitalstrategie 2020 – Digitale Bildung und Fachunterricht”, der am 21. September 2018 in den Räumlichkeiten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stattgefunden hat, wurde vom IQSH organisiert und durchgeführt.  

Neben zahlreichen Fachvorträgen wurden ca. 100 Workshops angeboten. Der Impulskongress diente als Auftakt für ein umfassendes Programm der Fachfortbildung in Schleswig-Holstein in den nächsten Jahren, um das Wissen und den Einsatz digitaler Medien im Fachunterricht zu verankern. Für mehr Informationen zum Programm klicken Sie hier

Die Serviceagentur “Ganztägig lernen” Schleswig-Holstein präsentierte sich auf dem Fachtag mit einem Infostand im CAP 3 auf dem Universitätsgelände.  

Nachfolgend erhalten Sie einen Einblick in zwei interessante Vorträge und Diskussionen, die im Rahmen des Impulskongresses stattgefunden haben. 

Perspektiven zur Umsetzung der KMK-Strategie “Bildung in der digitalen Welt”, Prof. Dr. Ira Dietlheim – Didaktik der Informatik, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 

Frau Prof. Dr. Dietlheim gab mit ihrer Präsentation einen spannenden Einblick in Möglichkeiten der Umsetzung der KMK-Strategie “Bildung in der digitalen Welt”. Die Strategie besagt u.a., dass im Rahmen der Digitalisierung an Schulen die Schülerinnen und Schüler in Zukunft 61 Kompetenzen zu erwerben haben, die sich in unterschiedlicher Gestaltung im gesamten Lehrplan wiederfinden müssen. Ein Großteil der Kompetenzen wird über das Fach Informatik abgedeckt werden können, daher auch die Forderung nach einem verpflichtenden Fach “Informatik”, so wie man es schon aus anderen Ländern, z.B. aus England, kennt.  

Auf die Frage “Wozu digitale Bildung?” antwortet Frau Prof. Dr. Dietlheim u.a. mit einem Zitat des US-amerikanischen Politikers Richard Riley: “Education should prepare young people for jobs that do not yet exist, using technologies that have not yet been invented, to solve problems of which we are not yet aware”. Übersetzt bedeutet es, dass Bildung junge Menschen auf Jobs vorbereiten sollte, die noch nicht existieren, Technologien eingesetzt werden sollten, die noch nicht erfunden wurden und Probleme gelöst werden sollten, die uns noch nicht bewusst sind. Bildung soll somit immer einen Schritt voraus und zukunftsweisend sein. Das Zitat unterstreicht die Bedeutung und die Rolle, die digitale Bildung heute und in Zukunft für die Kinder von heute und morgen spielen wird.  

Jede Schule in Schleswig-Holstein muss demnächst eine Digitalstrategie vorweisen können. Hierin muss aufgeschlüsselt werden, wie und über welche Fächer die 61 geforderten Kompetenzen erlernt werden sollen. Es geht z.B. um die Kompetenzen Kommunizieren & Kooperieren, Produzieren & Präsentieren sowie Problemlösung & Handeln. 

Ein Problem bei der Umsetzung sieht Frau Prof. Dr. Dietlheim zurzeit darin, dass fast alle Berufe Computerkenntnisse erfordern, aber der Beruf der Pädagoginnen und Pädagogen eher nicht. Um die KMK-Strategie erfolgreich umzusetzen, bedarf es einer intensiven Lehrerbildung. Für die Expertin steht fest, “alle Lehrer/-innen sollen Medienexperten/-innen werden”.  

Frau Prof. Dr. Dietlheim fordert und mahnt zugleich: “Es ist an der Zeit, die Informatik zu verankern”. Mit dem Hinweis auf IT2School (www.it2school.de) gibt Sie zum Schluss ihres Vortrages noch Tipps für Bausätze und Unterrichtsmaterialien, die zum Großteil kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Über IT2School können sich Schulen und Lehrkräfte Hilfestellungen und Anregungen holen.  

 

Zum Thema “Zeitgemäße Bildung braucht neue Räume” gab es eine Podiumsdiskussion unter den Experten Prof. Dr. Olaf-Axel Burow (Lernlandschaften, Chancen DigiBi, Kassel), Valentin Helling (Alemannenschule Wutöschingen) und Stephan Münte-Goussar (Flensburg).  

Prof. Dr. Burow sprach von der “Renaissance des Analogen”. Er betonte, dass in Zukunft nicht alles digital werden wird, maximal 20%, so die Annahme einer Studie. Viel wichtiger wird es sein, als Lehrer Werte, Überzeugungen und kritisches Bewerten zu vermitteln. Herr Helling, Lehrer an der Alemannenschule in Wutöschingen, unterstrich dies durch die Aussage, dass Lernplattformen nicht alles leisten können. Ein System wird nicht Anwendung finden, wenn es aufgrund der Menge an gespeicherten Informationen zu viele Ebenen gibt, durch die sich die Schüler und Schülerinnen klicken müssen. “Ein System wird nur dann benutzt, wenn es eine einfachere Alternative darstellt”, so der Lehrer aus Wutöschingen.  

“Kinder müssen lernen, dass das Handy ein Werkzeug ist, mit dem man sich die Informationen holt, die man zur Lösung von Aufgabenstellungen benötigt”, darüber waren sich die Experten einig. Eine weitere klar formulierte Forderung: “Lehrer/-innen und Schüler/-innen sollen Zukunftsgestalter/-innen werden”. Herr Helling aus Wutöschingen hat eine Vision. Er möchte in seiner Schule einen MakerSpace aufbauen, der Treffpunkt für alle wird - nicht nur für die Schüler/-innen und Lehrkräfte, sondern auch für die Firmen im Ort, die hier neue Produkte, Projekte und Ideen vorstellen und Tagungen abhalten können. Dann würde das Dorf in die Schule kommen und die Bedeutung der Schule wäre eine ganz andere. Dafür bedarf es anders gedachter Räume. Valentin Helling hat mit seinem Kollegium viel an seiner Schule verändert, die Räume sind nun nach dem Bedarf der Kinder ausgerichtet. Mehr zu der Alemannenschule aus Wutöschingen finden Sie hier

 

Abschließend lässt sich sagen, dass “Digitale Bildung” eine Chance für alle darstellt, auch für die Lehrer/-innen, die das Lehren im positiven Sinne mit verändern können. Es braucht nur Ideenreichtum und Mut für die Umsetzung und Veränderung.